Italien, Miquelet-Pistole der Manufattura Real die Napoli um 1760

Italien, Miquelet-Pistole der Manufattura Real die Napoli um 1760
Nummer: F038

Italien, Miquelet-Pistole der Manufattura Real die Napoli um 1760

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Italien, Miquelet-Pistole der Manufattura Real die Napoli um 1760Italien, Miquelet-Pistole der Manufattura Real die Napoli um 1760Italien, Miquelet-Pistole der Manufattura Real die Napoli um 1760
Sehr kleine, mit herrlichen Silberbeschlägen dekorierte Pistole im spanischen Ripoll-Stil aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.

Dunkler Nussbaumvollschaft mit floraler Schnitzerei vor dem Schloss und vor dem Schlossgegenblech. Durchbrochen gearbeitete, massive Silberbeschläge an der Kolbenkugel, an der Griffober- und unterseite, dem Schlossgegenblech, um den Abzugsbügel und am Vorderschaft. Alle Beschläge mit feinen Silbernägeln am Schftholz befestigt. Abzugsbügel mkit Fingerhaken und mit der von unten eingesetzten Kreuzschraube in einem Stück gearbeitet. In der hinteren Hälfte kantiger, dann mit Balluster in rund übergehender Lauf mit in Gold eingelegter Herstellermarke im Quadrat "R F DI NAP" = Real Fabbrica di Napoli. Lauf/Schaft-Verbindung durch Kreuzschraube/Abzugsbügelverlängerung und einen Stift mit zugehöriger Öse an der Lauifunterseite. Schwanzschraubenblatt mit Floralgravur um die Kreizschraube. Eiserner Ladestock mit triochterförmig erweitertem Setzkopf. Miquelet-Schnappschloss mit außenliegender Schlag- und Batteriefeder sowei rechteckiger, geriffelter Schlagfläche der Batterie

Gesamtlänge 270mm, Lauflänge 164mm, Schlosslänge 70mm, Kaliber des glatten Laufs 16,4mm, Gewicht 690g.

 

 

Eine der Ripollpistole zwar im Wesentlichen typgleiche, dennoch in vielen Details völlig unterschiedliche Pistole zeigt auf dem Lauf den eindeutigen Hinweis auf ihren Entstehungsort Neapel.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurden Stadt und Königreich Neapel als Provinz dem spanisch-habsburgischen Weltreich angegliedert. Damit begann die Ära der spanischen Vizekönige von Neapel. Die spanischen Habsburger wurden 1707 durch die österreichischen Habsburger abgelöst. Dies änderte sich jedoch ab dem Jahre 1712, als die Bourbonen infolge des Spanischen Erbfolgekrieges den spanischen Thron erwarben und 1735 auch Süditalien von den Österreichern übernommen hatten.

Karl VII, welcher das neu entstandene Königreich beider Sizilien von 1735 bis 1759 regierte und danach von 1759 bis 1788 als Carlos III. in Spanien herrschte, befahl 1757 die Errichtung einer Waffenfabrik zu seiner Selbstversorgung. So entstand die „Reale Fabbrica die Napoli“ in Torre Annunziata in der näheren Umgebung von Neapel.

Nachdem Karl VII. das Königreich 1759 an seinen erst achtjährigen Sohn Ferdinand IV. übergeben hatte und die Arbeiten zur Errichtung der Gewehrfabrik beendet waren, konnte dort ab 1760 die Produktion beginnen. Da Ferdinand IV. zu diesem Zeitpunkt gerade mal acht oder neun Jahre alt war, dürfte sein Bedarf an Feuerwaffen zumindest zu diesem Zeitpunkt eher gering gewesen sein. Dass sich bei der Fertigung von Waffen in der königlichen Fabrik spanischer Einfluss und Geschmack in der Form der Schäfte und Dekoration der Beschläge durchsetzte, zumal die Handwerker für die Fabrik nicht in der Umgebung von Neapel, sondern wahrscheinlich in Spanien angeworben worden waren, ist dabei nur als natürlich anzusehen.

Die mit Blattgold belegte Fabrikmarke auf dem Lauf dokumentiert, dass die vorliegende Pistole in der Königlichen Fabrik in Torre Annunziata bei Neapel gefertigt wurde. Auch das Herstellungsjahr ist durch die Art der Laufmarke nach Angabe des Neuen Stöckel S.1651 auf das Jahr 1768 zu datieren. Welcher Meister in der Fabrik aber für das schöne Stück verantwortlich zeichnete, ist leider nicht zu eruieren, da weder am Lauf noch am Schloss und auch nicht an den Beschlägen nur der geringste Hinweis zu finden ist. Gerade die in beinahe verschwenderischer Fülle angebrachten silbernen Beschläge in der hier vorliegenden Ausgestaltung mit bourbonischen Lilien und mythischen Tierdarstellungen in Verbindung mit floralen Motiven ist besonders typisch für die dortigen Arbeiten, tragen aber leider so gut wie nie ein Signat des Herstellers.

 

 

Preis„ Bitte fragen Sie an bei lander-forbach@t-online.de