Westfälischer Kreis, Kavallerie-Offizierpistole von G. ROUHETTE in Lüttich

Westfälischer Kreis, Kavallerie-Offizierpistole von G. ROUHETTE in Lüttich
Nummer: GK19

Westfälischer Kreis, Kavallerie-Offizierpistole von G. ROUHETTE in Lüttich

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Westfälischer Kreis, Kavallerie-Offizierpistole von G. ROUHETTE in LüttichWestfälischer Kreis, Kavallerie-Offizierpistole von G. ROUHETTE in LüttichWestfälischer Kreis, Kavallerie-Offizierpistole von G. ROUHETTE in Lüttich
Typische, selbstbeschaffte Offizierpistole aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts

Nussbaumvollschaft mit ovalen, erhabenen Verschneidungen um das Schloss, das Schlossgegenblech und das Schwanzschraubenblatt. Messingbeschläge, bestehend aus halbem Vorderschaftband 15mm hinter der Mündung, zwei kantigen Ladestockröhrchen, Abzugsbügel mit vorderem Abschluss in Lanzettform, Kolbenkappe mit langen, seitlichen Sporen, flächigem, für den Waffentyp ebenfalls charakteristischem Schlossgegenblech für zwei Schrauben und von unten eingesetztem Eisennagel zur Befestigung im Schaft. Am Pulversack sechskantiger Lauf mit spitzoval und eingezogen endendem  Schwanzschraubenblatt.  An der Laufoberseite ein zur Mündung hin schmaler werdender und bis zum halbmondförmigen Messingkorn reichender Flachschliff, Steinschloss entsprechend französischem M 1733/34 mit flachem. an den Kanten abgeschrägtem Schlossblech und ebensolchem Schwanenhalshahn. Facettierte Eisenpfanne mit Verbindungssteg zur Batterielagerschraube. Die Batteriefeder von außen verschraubt. An der Schlossinnenseite Schmiedemarke „IH“ im Rechteck.. Herstellersignatur „G. ROUHETTE“ am Schlossblech außen. An der Laufoberseite in Höhe des Pulversacks schwach lesbare Gravur „G. F. Regiment“. Besitzersignatur „PM“ am Vorderschaft unten. Alle Eisenteile blank. Sicherlich originaler Holzladestock mit Messingdopper.

Gesamtlänge 450mm, Lauflänge 273mm, Kaliber des glatten Laufs 16,15mm, Gewicht 1119g

Zum niederrheinisch-westfälischen Reichskreis gehörten neben dem Fürstbistum Lüttich noch weitere Stände und Herrschaften, von denen allerdings nur wenige in der in Frage kommenden Zeitspanne ganze Regimenter aufstellten. Dazu gehörten  neben Kur-Köln das Bistum Münster, Osnabrück, Paderborn und Nassau-Dillenburg. Doch nur im Bistum Münster existierte im zur Pistole passenden Zeitrahmen ein Regiment, auf welches das Truppensignat „G. F. Regiment“ passen könnte. Dies war das im Jahr 1744 aufgestellte Regiment Herzog Ludwig Ernst von Sachsen-Gotha zu Fuß, welches als Kreistruppe bei der Reichsarmee stand und erst 1778 in Regiment v. Wartensleben umbenannt wurde. Da es sich hierbei um ein Infanterieregiment handelte, muss es sich bei der Pistole – wenn man die Deutung des Truppensignats als stimmig annimmt – um die Waffe eines berittenen Offiziers dieses Regiments handeln, welcher die Pistole bei dem in Lüttich ansässigen Büchsenmacher Rouhette in Auftrag gegeben oder zumindest dort gekauft hat.  Wer allerdings dieser Offizier gewesen sein könnte, ist mangels aussagefähiger Unterlagen und ohne Spekulation nicht feststellbar.

Feststellbar ist jedoch mit einiger Sicherheit, dass der Besitzer der Pistole ein Offizier mit dem am Vorderschaft der Pistole eingeschnittenen Monogramm „PM“ gewesen sein muss. Die Stammlisten der betreffenden Regimenter des niederrheinisch-westfälischen Reichskreises, aus denen im Regelfall die Namen der Offiziere bei den  jeweiligen Regimentern zu ersehen sind,  liegen im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Westfalen. Eine entsprechende Anfrage dort ergab jedoch sehr schnell, dass zwar die Auflistung der Mannschaften vorhanden ist, ausgerechnet die Angaben bezüglich der Offiziere des Regiments Herzog Ludwig Ernst von Sachsen Gotha aber komplett fehlen. Diese Negativauskunft aber bedeutet, dass  die einzige Möglichkeit, die vorliegende Pistole mit einiger Gewissheit zu- und einzuordnen, bis auf weiteres leider nicht gegeben ist.

 

Preis? Bitte fragen Sie nach unter lander-forbach@t-online.de