Frankreich, Marinepistole 1792-1804, Fertigung St. Etienne
Ein wirklich rares Stück französischer Militärgeschichte aus der Anfangszeit der Revolution
Nussbaum-Vollschaft mit kupferhaltigen Messingbeschlägen, bestehend aus doppelbündigem Laufring mit rechtsseitiger Federarretierung und Ladestocktrichter, einteiligem Abzugsbügel mit zweifacher Stiftbefestigung, gewölbtem Schlossgegenblech für zwei Schrauben und Kolbenkappe mit zwei Befestigungsschrauben. Steinschloss M an 9 mit links vom Hahn gewölbter Schlossplatine, entsprechendem Herzhahn und gegossener Messingpfanne. Herstellersignatur „St.Etienne“ auf der Schlossplatine unterhalb der Pfanne, darüber Stempel „S“ im Hochoval, welcher vermutlich Claude Soviche zuzuschreiben ist. Soviche war während des Jahres IV in der Manufacture National de St. Etienne Kontrolleur für die Schlossplatinen. Runder Lauf mit seitlichen Flachschliffen am Pulversack. Staatliche Abnahme „RF“ für République Francaise am Lauf rechts in Höhe der Batterie und Stempel „Anker unter phrygischer Mütze“ an der Laufoberseite. Eiserner, ergänzter Ladestock mit nagelförmigem Stoßkopf. Gesamtlänge 312 mm, Lauflänge n175 mm, Kaliber des glatten Laufs 17,0 mm, Schlosslänge 118 mm, Gewicht 951 g,
Die hier vorgestellte Pistole trägt auf dem Lauf über einem Anker das Symbol der französischen Revolution, die „phrygische Mütze“, die aus Filz oder Wollstoff gefertigte „Bonnet Rouge“. Die Jakobiner und Sansculotten trugen sie seit 1792, sie zierte als Emblem das Staatssiegel der Französischen Republik und sie schmückte neben Feuerwaffen auch "revolutionäre" Säbel und Freiheitsbäume ebenso wie Tassen und Teller.Die hie angebotene Pistole dürfte auf die private Bestellung eines revolutionär gesinnten Marineoffiziers bei der Manufaktur St. Etienne zurückgehen, wo sie noch vor der revolutionären Aufhebung der staatlichen Ordnung des Jahres 1793 gefertigt wurde. Dies wird belegt durch den am Schloss vorhandenen Stempel eines Kontrolleurs. Da nach dem November 1793 eine effektive Arbeit in den Staatsmanufakturen, die bisher in ein streng überwachtes Kontrollsystem eingebunden waren, nicht mehr möglich war, weil sich die Belegschaften in revolutionärem Überschwang weigerten, sich weiterhin staatlicher Kontrolle zu unterwerfen, wurden danach gefertigte Waffen auch keiner Kontrolle mehr unterzogen.


