Russland, Pionier- und Mineurpistole 1797

Russland, Pionier- und Mineurpistole 1797
Nummer: NJ01

Russland, Pionier- und Mineurpistole 1797

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Dies ist mit Sicherheit eine der seltensten Militär-Steinschlosspistolen Europas
Die Pistole hat einen schwarz gebeizten Birkenholzschaft und gegossene Messingbeschläge. Diese bestehen aus einer seitlich flach gedrückten Kolbenkappe mit nur noch angedeuteten Sporen und ovalem Nagel, einem einteiligen Abzugsbügel mit undekoriertem Vorderteil und mit nur einer Schraube im Kolben fixierten hinteren Bügel. Ein Schlossgegenblech im üblichen Sinne ist nicht vorhanden, dafür besitzt jede der beiden Schlossschrauben eine runde Unterlage aus Messingguss. Der eiserne, ergänzte Ladestock wird durch zwei Ladestockröhrchen versorgt. Der Lauf ist im hinteren Drittel kantig und zur Mündung hin rund. Er besitzt keine Züge und hat ein Kaliber von 17,7 mm. Die Lauf/Schaftverbindung besteht aus einer Kreuzschraube und einem Stift mit entsprechender Öse an der Laufunterseite. Das Schlossblech ist flach und hat abgeschrägte Kanten, die facettierte Batterie ist noch ohne Verbindungssteg zum Batterielager, die Batteriefeder von der Schlossinnenseite her verschraubt und die Schlagfläche der Batterie oben gerade abgeschnitten. Eine Herstellersignatur ist am Schlossblech nicht vorhanden. Als Visiereinrichtung ist kurz hinter der Mündung ein halbmondförmiges Eisenkorn aufgelötet, eine entsprechende Kimme jedoch sucht man vergeblich.
Gesamtlänge 451 mm, Lauflänge 267 mm, Schlosslänge 124 mm, Kaliber des glatten Laufs 17,7 mm,  Gewicht 1..522 g

Links am Kolben oberhalb der Kolbenkappe ist eine Öse mit daran beweglichem, recht massivem Eisenring eingeschraubt, ein Detail, das sehr ungewöhnlich, aber dennoch nicht unbekannt ist: Preußische Mineure und Pioniere führten Pistolen aus Potsdamer Fertigung mit ebensolchen, links am Kolben angebrachten Ringen, allerdings sind bis heute nur verschwindend wenige Exemplare solcher preußischen Mineurpistolen real bekannt geworden. Entsprechende Uniformdarstellungen belegen jedoch die Trageweise solcher Pistolen in der preußischen Armee. Dies führt zu der Annahme, dass die vorliegende Pistole ebenfalls einer derartigen Truppe zugeschrieben werden kann. Damit aber erhebt sich die Frage, in welcher Armee die hier gezeigte Pistole verwendet wurde. Als erstes kann man an der Laufoberseite über der Pulverkammer ein großes „P“ erkennen, welches sofort an den in Schmalkalden ansässigen Betreiber der dortigen Gewehrfabtik, die Gebrüder Pistor denken lässt. Das ist durchaus denkbar, doch weitere Stempel am Lauf und am Abzugsbügel sprechen eindeutig gegen diese Vermutung. So findet sich am Vorderteil des Abzugsbügels der eindeutig kyrillische Buchstabe „F“, der unserem „F“ entspricht, so dass die Überlegung zur Herkunft der Pistole automatisch in Richtung Russland gelenkt wird und die Gebrüder Pistor in Schmalkalden als Hersteller mit großer Wahrscheinlichkeit ausscheiden. Diesbezügliche Vergleiche an Hand von Fotos russischer Steinschlosspistolen zeigen, dass dieser „P“-Stempel am Lauf auch auf einer russischen Kavalleriepistole nachweisbar ist, die 1795 in der Gewehrfabrik Tula gefertigt worden ist. Deren Schloss entspricht nahezu vollständig dem Schloss der hier vorgestellten Waffe. Insbesondere der bemerkenswerte, vierkantige Abschluss der Gewindeaufnahme an der Batteriefeder ist an beiden Pistolen identisch, sodass eine Produktion der vorliegenden Pistole in Tula nicht von der Hand zu weisen ist. Unterstrichen wird diese Folgerung durch einen wenn auch nur noch sehr undeutlich erkennbaren, hochovalen Stempel an der Laufoberseite, der im Ursprungszustand mit großer Wahrscheinlichkeit den russischen Doppeladler zeigte. Die Pistole entspricht mit ihrem seitlichen Fangring keiner Pistole, wie man sie von zeitgleichen Stücken anderer Armeen in Europa kennt mit Ausnahme der bereits erwähnten Mineurpistolen der preußischen Armee.