Preußen, Kürassier- und Dragonerpistole 1731, Fertigung Suhl/Zella St.Blasii
Höchst seltenes und bestens erhaltenes Exemplar der Suhler Fertigung vor 1740
Nussbaumvollschaft mit rhombischen Verschneidungen um das Schloss, das Schlossgegenblech und das Schwanzschraubenblatt. Messingbeschläge, diese bestehend aus Kolbenkappe mit langen, seitlichen Sporen und einemovalen Nagel als Abschluss, einteiligem Abzugsbügel mit vorderer und hinterer Verlängerung, zwei kantigen Ladestockröhrchen und einem halben Vorderschaftring, 34 mm hinter der Mündung. Ovales Messing-Daumenblech mit bekröntem Monogramm „FR“ an der Kolbenoberseite. Steinschloss mit flachem, an der Kanten abgeschrägten Schlossblech ohne Signatur, entsprechendem Schwanenhalshahn und freistehender, facettierter Eisenpfanne mit hahnseitigem Feuerschirm, die Batterieschlagfläche ist oben gerade gearbeitet und die Batteriefeder von der Schlossinnenseite her verschraubt. An der Schlossinnenseite die Meistermarke „IB“. Hölzerner Originalladestock mit eisernem Plättchen an der Stoßseite. Auf der ganzen Länge runder Lauf mit doppelter Kannelierung am Laufende. Kimme in das Schwanzschraubenblatt eingefeilt, Messing-Langkorn auf dem Lauf, 55 mm hinter der Mündung.
Gesamtlänge 565 mm, Lauflänge 375 mm, Schlosslänge 142 mm, Kaliber des glatten Laufs 17,1 mm, Gewicht 1.735 g
Gesamtlänge 565 mm, Lauflänge 375 mm, Schlosslänge 142 mm, Kaliber des glatten Laufs 17,1 mm, Gewicht 1.735 g
Da an der Pistole am Schloss keinerlei Herstellersignatur, weder das sattsam bekannte POTZDAMMAGAZ noch das Kürzel SetD für Spitgerber&Daum vorhanden ist und am Lauf auch die bei Potsdamer Fertigung geforderten stilisierten Adler-Stempel fehlen, muss man davon ausgehen, dass diese Pistole anderweitig produziert wurde. Nach dem Regierungsantritt von Friedrich II. im Jahr 1740 stiegen die Fertigungs- und Umsatzzahlen der Gewehrfabrik während der Schlesischen Kriege und in deren Anschluss durch Ersatzbestellungen wegen im Krieg vernichteter Bestände gewaltig. So erreichte der Umsatz der Gewehrfabrik im Jahr 1747 eine Summe von 216.000 Talern und bereits 1743 war die Fabrik schon nicht mehr in der Lage, alle Aufträge fristgerecht zu erledigen. Deshalb wurden in den Jahren 1743 bis 1745 Aufträge zur Lieferung von insgesamt 5.000 Pistolen an Fabrikanten in Suhl und Zella-St.Blasii erteilt. Dies geschah auf Grund von Vermittlung durch die Gewehrfabrik Potsdam oder durch die Regimenter selbst. Unmittelbar nach dem Frieden 1746 wurde die Beschaffung von Waffen aus dem „Ausland“ jedoch vom König per Erlass verboten und sofort wieder eingestellt. Weil an der vorliegenden Waffe keinerlei Hinweise auf die preußische Gewehrfabrik Potsdam als Hersteller vorhanden sind, muss man davon ausgehen, dass die Pistole Teil der Lieferung war, die in preußischem Auftrag entweder in Suhl oder Zella St.Blasii produziert worden ist. Der aus restauratorischer Sicht offensichtlich noch nie aus dem Schaft entnommene Lauf wurde vernünftigerweise nicht ausgebaut. Deshalb können auch an der Laufunterseite möglicherweise vorhandene Stempel nicht zu Rate gezogen werden und es bleibt nur die an der Schlossinnenseite eingeschlagene Meister- oder Schmiedemarke „IB“ als Hinweis auf den Herstellungsort. Diese Marke aber dürfte dem in Suhl ansässigen Büchsenmacher Johann Christoph Boessel zuzuschreiben sein, der dort für die Jahre von 1735 bis 1740 nachweisbar gearbeitet hat. Dieser Zeitraum deckt sich exakt mit den Jahren, in denen Suhler Handwerker Lieferungsaufträge aus Preußen erhielten und auch ausführten. Damit aber ist die hier vorgestellte Pistole 1731, sollte diese Theorie sich als richtig erweisen, ein höchst seltenes Stück preußischer Militärgeschichte des 18. Jahrhunderts.


