Baden, Jägerbüchse 1854, Fertigung Christian Sturm in Suhl
Diese Büchsae enstand auf Grund einer Ergänzungslieferung an das badische Jägerbataillon nach der Umrüstung der vormals Wild'schen Büchse auf das Minié-System
Nussbaumvollschaft mit Messingbeschlägen, diese bestehend aus halber Vorderschaftkappe mit Durchgang für den Ladestock und mit Riemenöse, Ladestockröhrchen, geschweiftem Abzugsbügel, Kolbenkappe und Unterlegplättchen für die einzelne Schloßschraube. Vorliegendes Perkussionsschloss mit Kettenglied zwischen Schlagfeder und Nuss zur Verringerung der Reibungskräfte; Nuss mit Springkeil in der Ruhrast, der beim Vorschlagen des Hahns aus der Spannrast ein Hängenbleiben desselben in der Ruhrast verhindert. Schlossplatte bunt gehärtet und makellos, Herstellersignatur „ Chn.Sturm“ auf der Schlossplatte außen. Schloss mit nur einer Halteschraube; ein Haken am Vorderende des Schlossblechs mit entsprechendem Gegenlager im Schaft bildet den zweiten Befestigungspunkt. Quadrantenvisier mit Einteilung von 300-2400 Schritt und Eisenkorn auf dem Lauf. Achtkantlauf mit 5 Minié-Zügen und Hakenschwanzschraube, die es ermöglicht, den Lauf nach Herausnehmen der beiden Schieber herauszunehmen, ohne die Kreuzschraube zu lösen. Pistonsockel mit Reinigungsschraube, in den Lauf integriert. Auf dem Lauf Herstelleradresse „SuhlF“, links daneben Fertigungsnummer „28.“ und badische Abnahme-und Endkontrollmarke „ZD“ mit Landeswappen im Oval (Zeughaus-Direktion Karlsruhe). Rechts an der Mündung Schiene zur Aufpflanzung eines Hirschfängers. Abzug mit Stifteinrichtung und einfach verschraubtem Unterlegplättchen. Eiserner Ladestock mit Messingkopf und Messingdistanzhalter. 85 mm lange Hirschfängerschiene an der rechten LaufseiteGesamtlänge 1150mm, Lauflänge 752mm, Kaliber des gezogenen Laufs 17,5mm, 14 Züge, Schlossplattenlänge 146mm.
Bezüglich der Neubeschaffung von 450 Minié-Büchsen wandte man sich, da Oberndorf wegen Umänderung von 20 000 württembergischen und großherzoglich hessischen Infanteriegewehren auf das Minié-System ausgelastet war, an Suhler Waffenfabrikanten, deren Liefervermögen aber offenbar auch nur sehr beschränkt war. Am 12. März 1859 hatte das Jägerbataillon erst 446 Büchsen bei einem Soll von 650 Stück im Bestand, so dass noch 204 Büchsen fehlten. Da die vorliegende Waffe auf der Nase des Kolbenblechs die Nummer „465“ zeigt, also offensichtlich erst nach der Bestandszählung vom 12. März 1859 zur Truppe kam, ist davon auszugehen, dass sie erst im Laufe des Jahres 1859 gefertigt und an das Jägerbataillon ausgeliefert wurde.Darüber hinaus ist anzumerken, dass die neu gefertigten Minié-Büchsen sich von den umgebauten Wild’schen Büchsen durch das Fehlen des Kolbenfachs unterschieden. Dieses Kolbenfach war bei der Wild’schen Büchse wegen der Ladeweise mit Schusspflaster, die in genügender Anzahl im Kolbenfach mitgeführt werden mussten, unbedingt notwendig. eim Minié-System konnte es jedoch entfallen, da hierbei keine Schusspflaster mehr erforderlich waren.


