Reichsstadt Nürnberg, Kavalleriepistole um 1740, gekürzt um 1790

Reichsstadt Nürnberg, Kavalleriepistole um 1740, gekürzt um 1790
Nummer: ME12

Reichsstadt Nürnberg, Kavalleriepistole um 1740, gekürzt um 1790

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Dunkler Nussbaumvollschaft mit ovalen Verschneidungen um Schloss, Schlossgegenblech und Schwanzschraubenblatt. Messingbeschläge, bestehend aus halbem Vorderschaftband, zwei kantigen, an den Enden gewulsteten Ladestockröhrchen, einteiligem Abzugsbügel mit hinterer und vorderer Verlängerung, Kolbenkappe mit langen seitlichen Sporen und ovalem Nagel sowie flächigem Schlossgegenblech mit abgeschrägten Kanten für zwei Schrauben. Auf dem Kolbenrücken ovales Daumenblech aus Messing mit Wappen der Freien Reichsstadt Nürnberg.. Steinschloss mit flachem, an den Kanten abgeschrägtem Schlossblech, ebensolchem Schwanenhalshahn und Eisenpfanne, diese facettiert und ohne Verbindung zur Batterie. Keine Herstellersignatur auf dem Schlossblech außen. Die Batterieschlagfläche oben gerade abgeschnitten und aufgefüttert. Runder, am Pulversack kanellierter Lauf mit eingefeilter Kimme im Schwanzschraubenblatt. Messingkorn auf dem Lauf, 30mm hinter der Mündung. Suhler Schmiedemarken „SUL“ an der Laufunterseite. Auf dem Schwanzschraubenblatt „Suhler Henne“ mit „LM“, eine weitere Marke „Suhler Henne“ mit CN“ zwischen den Schenkeln der Batteriefeder. Hölzerner Ladestock mit konisch erweitertem Kopf ergänzt. Lauf/Schaft-Verbindung durch Kreuzschraube und zwei Stifte/Ösen.

 

Gesamtlänge 450 mm, Lauflänge 265 mm, Schlosslänge 135mm, Schlossbreite 26mm, Gegenblechlänge 130mm, Kaliber des glatten Laufs 18mm.

Die Reichsstadt Nürnberg verfügte im 18. Jahrhundert über ein umfangreiches Militär, denn seit der Neuordnung der Reichsdefension des Jahres 1681 waren alle Reichsstände, so auch Nürnberg gehalten, auch in Friedenszeiten mindestens die Hälfte ihres Gesamtkontingents, welches im Kriegsfalle an die Reichsarmee zu stellen war, aufrecht zu erhalten. Dies aber bedeutete für Nürnberg immerhin ein Friedenskontingent von 900 Mann. Insgesamt unterhielt die Freie Reichstadt vier Kavallerie- und sieben bis acht Infanteriekompanien. Die hier gezeigte Pistole mit dem Stadtwappen Nürnbergs im Daumenblech ist demzufolge einer der vier Kavalleriekompanien zuzurechnen und wurde, wie die Stempellage verdeutlicht, in Suhl gefertigt. Die Kürzung des Vorderschafts geht vermutlich auf französischen, möglicherweise auch preußischen Einfluss zurück.

Französische Revolutionstruppen hatten im Sommer 1796 mit einer zunächst überaus erfolgreichen Invasion des rechtsrheinischen Reichsgebietes begonnen und eine unter dem Befehl des Generals Jourdan stehende Armee rückte in den Fränkischen Reichskreis ein, der nahezu vollständig besetzt wurde. Ausgenommen davon waren lediglich die preußischen Gebiete, denn Preußen hatte im April 1795 mit dem revolutionären Frankreich den Frieden von Basel geschlossen und war damit aus der Front der gegen die Revolution gerichteten Koalition ausgeschert. Alle preußischen Territorien genossen danach den Status der Neutralität, während die nicht-preußischen Gebiete den Plünderungen der Revolutionstruppen schutzlos preisgegeben waren und sich zudem den maßlosen Kontributionsforderungen der französischen Armeeführung ausgesetzt sahen. Als die von Preußen entsandten Truppen daher in die von ihm beanspruchten Teile des reichsstädtischen Landgebietes einmarschierten, konnten sie mit einem gewissen Wohlwollen der örtlichen Bevölkerung rechnen, denn diese gelangte damit auch unter den Schutz der preußischen Neutralität und blieb vor den kriegsbedingten Begleitumständen verschont, anders dagegen die Reichsstadt und deren übriggebliebene Territorien, diese waren den französischen Repressalien in voller Härte ausgesetzt. Ebenso wie das verbliebene Landgebiet wurde auch die Reichsstadt selbst von französischen Truppen